Wie wird man Karikaturist?
Als ich am 9. November 1938 eintraf, sah ich in lange Gesichter. Es sollte endlich mal ein Junge werden, und nun war wieder nix! Und es nützte auch nichts, mir das böse Händchen mit einer Serviette fest an den Leib zu knoten, damit ich mit dem braven brav meine Suppe auslöffelte. Es ging alles daneben. Die böse Linke siegte und malte böse Bilder. „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände!“ – und Bücher, Zeitungen, Plakatwände, T-Shirts und Ostereier.
So wurde ich Karikaturist, ohne –In. Denn eigentlich sollte ich jetzt ein einundsiebzigjähriger Greis sein. RICHTIGE Frauen können keine Karikatur, das weiß man ja. Aber es gab auch schöne Momente in meinem Leben, zum Beispiel meinen einundfünfzigsten Geburtstag!
Und wie bleibt man in der Krise Karikaturist?
Ich habe meinen Braintrust in Hartz IV geschickt und mir Ideen-Zulieferer in China verpflichtet. Die sind viel billiger und absolute Profis im Plagiieren. Ich werde meinen Strich verknappen und meine Zeichenfedern länger nutzen, auch wenn sie dann ziemlich stumpf sind. Sollte mich die Pleitewelle dennoch erfassen, zahle ich mir eine saftige Abfindung und verzichte auf mich.






Dies wünsche ich allen Besuchern meiner website, und als gute Sächsin würdige ich den Preußen Friedericus mit ein paar selbstgemachten Bildern. Kann sein, dass es mit dem fortschreitenden Jahr mehr werden. In Sachsen sagt man , wenn eine materielle oder geistige Investition vergeblich ist, nicht:”Das ist für die Katz’!”, sondern: “Das ist für den Alten Fritzen!” Diese wenig schmeichelhafte Reminiszenz an den Kriegsmann Friedrich hat er sich selbst zuzuschreiben. Aber wir wissen: Er konnte auch anders und er kann uns Inspiration geben zur Betrachtung der gegenwärtigen Ereignisse.



Später habe ich über diese unglaubliche Nacht einen Comic gezeichnet. Und beim Nachdenken über alles, was geschehen ist und wie es dazu kam und was vorher war entstanden in meinem Kopf noch mehr Geschichten. Die wurden ein Buch, das natürlich keiner kennt. Deshalb habe ich beschlossen, die Comicgeschichten über mein Leben in der DDR auf meiner Seite zu veröffentlichen. Ich beginne mit der letzten Story, weil’s so schön zum Datum passt, aber dann geht’s von vorn, wie im richtigen Leben. Jeden Tag ein Stückchen davon, so wie ich Zeit finde. Vielleicht macht es den einen oder die andere neugierig. Das Beste wäre, ihr hättet auch ein bisschen Spaß dabei. Los geht’s!